Dass ich die Hysterie um Googles Stadtplandienst Street View nicht ganz nachvollziehen kann, hatte ich schon einmal geschrieben. Ich meine damit nicht die Tatsache, dass beim Vorbeifahren auch Daten aus WLANs, Zugangsdaten oder ganze E-Mails mit erfasst wurden - denn das ist wahrlich ein Skandal. Ich meine damit die Diskussion, ob Häuserfassaden abfotografiert und veröffentlicht werden dürfen.
Jetzt schreibt die Heidelberger Rhein-Neckar-Zeitung über "Heidelbergs gepixelte Ansichten": Die Stadt möchte nämlich nicht, dass bei Google Street View auch Fotos von Kindergärten (pardon: Kinderbetreuungseinrichtungen) oder Schulen zu sehen seien. So sollen Kinder und Jugendliche vor Belästigungen und Gewalttaten geschützt werden.
Aha. Ich bin ja grundsätzlich dafür, dass Kinder und Jugendliche in Schutz genommen werden. Aber so? Ich kann jedenfalls den Effekt nicht wirklich ausmachen, den eine Verpixelung von Schulen und Kitas ausmachen soll. Und ganz absurd wird das Ganze dann, wenn man auf die Informationsseiten der Stadt Heidelberg schaut. Unter heidelberg.de findet man das, was man meines Erachtens dort auch finden sollte: Anschriften und sogar - man sehe und staune - Fotos von den Fassaden der Kinderbetreuungseinrichtungen. Beispiele gefällig? Hier geht´s zum Blumhardt-Kindergarten, hier zur Kita St. Vitus - und alle Einrichtungen im Überblick kann man sich im Online-Stadtplan anzeigen lassen: dazu einfach rechts in der Suche "Kinder und Jugendliche" auswählen.
Dass das Ganze auch deswegen schwierig werden könnte, weil Datenschutzregelungen nur die Rechte natürlicher Personen regelt, während die Stadt Heidelberg eine so genannte "juristische Person" ist - geschenkt...
03.11.2010
Heidelberg, Google Street View und die Kindergärten
von
Rechtsanwalt Sebastian Dosch
Labels:
Datenschutz,
Google Street View,
Heidelberg,
informationelle Selbstbestimmung,
Internetsicherheit,
Safer Internet Day
1 Kommentar:
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