16.06.2011

zoom: Nackte Tatsachen im ZDF

Derzeit wird laut über die gestrige Sendung von ZDFzoom gelästert berichtet, in der es um Datenschutz ging. "Hilfe, ich bin nackt", so der Titel. Nackte Leute in einer Fußgängerzone waren zwar auch zu sehen, vornehmlich aber ging es um eine Art Bedrohungsszenario namens Internet, Smartphones und Personenprofilen.

Das hätte gut werden können, war aber tatsächlich etwas unbefriedigend - vor allen Dingen, weil nur die Gefahren, nicht aber die Möglichkeiten aufgezeigt wurden. Bei einer nur knapp halbstündigen Sendung vielleicht nicht anders zu erwarten. Dass das Schlagwort vom "rechtsfreien Raum Internet" in Form eines Standesbeamten auftauchte und quasi als Fakt stehen gelassen wurde - geschenkt...! 

Tatsächlich wäre es aber interessant gewesen die Antwort auf die Frage zu erfahren: "Warum gehen moderne Menschen ins Internet und geben so viele Informationen über sich preis?", die das Blog medien-gerecht gerne aufgeklärt haben wollte.

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Dass man bewusst Informationen über sich preisgibt, hat man selbst in der Hand. Dass man - beispielsweise über eine iPhone-App - ausspioniert wird, ohne das zu wissen oder auch nur wissen zu können, das hat durchaus andere Qualitäten. Adressbuch, Bewegungsprofil, E-Mails und SMS - wer das haben möchte, bekommt es auch. Und darüber sollte auch aufgeklärt werden.
(Frage an meine Kolleginnen und Kollegen: Nutzen Sie Ihr Smartphone geschäftlich? Haben Sie Apps von Drittanbietern im Einsatz? Senden Sie über Ihr Handy auch E-Mails oder SMS an Mandanten? Haben Sie die Adressen Ihrer Mandanten und Gegner darauf gespeichert? ...)
Kollege Zöttel berichtet unter "ZDFzoom auf Abwegen" von einem Professor, der weiß, dass Juristen “die Legastheniker des Fortschritts” sind, der aber nichts zur Moral des Internet-Smartphone-Datenschutz-Schlamassels sagen würde.

Doch, hat er: Er spricht beispielsweise über die (überlangen und damit möglicherweise schon wieder unwirksamen) AGBs von Facebook und die trügerische Möglichkeit, darüber eingestellte Fotos wieder löschen zu können. Er sagt dazu, dass Facebook die Fotos aufgrund dieser Regelungen beispielsweise für Werbung einsetzen könnte. Er sagt auch, dass gelöschte Fotos dann noch weiter verwendet werden könnten, wenn man sie über Facebook mit anderen geteilt habe. Und wofür sonst ist facebook da, als seine Inhalte mit anderen zu teilen?

Und der im Beitrag "gestalkte" entfernte Freund der Moderatorin. Er schreibt in seinem Blog StylewalkerR: "Ehrlich, die Einzigen, die mich je gestalkt haben, sind das ZDF."

Wenn er sich da nicht einmal täuscht. Die Möglichkeiten, die das Internet bereits mit legalen Mitteln zur Verfügung stellt, wurden mit der ausgedruckten Pinwand schon ganz gut dargestellt. Und auch StylewalkeR war überrascht, Fotos die Namen* seiner Eltern zu sehen - und seine Adresse (die - was ganz legal herauszufinden ist - wohl bei der Domainregistrierungsstelle hinterlegt war).

Und in den Kommentaren zum Artikel wird ein Aspekt noch einmal aufgegriffen, der auch in der Sendung zu hören war: Versicherungen haben ein vitales Interesse daran zu erfahren, wie "gefährlich" ihr Klient lebt. So könnten beispielsweise Menschen, die gefährliche Sportarten betreiben (und darüber twittern, facebooken oder simsen) Schwierigkeiten haben, eine Berufsunfähigkeits- oder private Krankenversicherung zu bekommen. Oder sie bekommen nur Angebote, die entsprechend teurer sind.

Zukunftsmusik? Nein, das hat die Sendung gestern deutlich gezeigt.

Tatsächlich ist es schwer, dem Profiling zu entkommen. Nicht am Internet teilzunehmen, ist auch nicht die richtige Alternative. Dies mit offenen Augen zu tun und seine Risiken zu kennen und einschätzen zu können, ist aber heute wichtiger denn je. Und dazu hat diese Sendung vielleicht mit beigetragen.

Hier noch ein Link zum Thema, den ich nicht oft genug zitieren kann:
Begleiten Sie Paul einen Tag lang und lernen Sie die Möglichkeiten kennen, ihn mithilfe moderner und weniger moderner Hilfsmittel zum gläsernen Menschen zu machen.
*Thomas alias StylewalkeR hat in einem Kommentar festgestellt, dass nicht die Fotos, sondern nur die Namen seiner Eltern an der Pinwand hingen - das möchte ich hiermit richtig stellen.

Wenn Sie eine Frage zum Artikel haben...

...stellen Sie sie mir doch einfach:

Sebastian Dosch

Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht

Fon: 06221 8713-400

E-Mail: kanzlei@dosch-digital.de
Skype: kLAWtext

Kommentare:

  1. Wichtige Klarstellung: Es gab keine Fotos meiner Eltern. Das, was da verpixelt war, sind lediglich deren Namen.

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  2. Danke, Thomas, für diese Richtigstellung - ich habe es auch oben im Text geändert. Ich hatte es so verstanden, dass Fotos zu sehen waren. Sorry.

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  3. Dass man - beispielsweise über eine iPhone-App - ausspioniert, ohne das zu wissen oder auch nur wissen zu können,

    Hier fehlt ein "wird" nach "ausspioniert". Niemand wird jemanden ausspionieren können, ohne das zu wissen.

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