Nachdem ich die Pressemeldung heute Morgen gelesen hatte, wollte ich es doch mal ausprobieren - den Kostenfinder des Bundes- verbraucherministeriums.
Und ich werde ihn auch gleich wieder deinstallieren. Warum, erfahren Sie hier:
Das Ministerium schreibt in seiner Pressemeldung:
So schützen Sie sich vor Kostenfallen im Internet:
Verbraucherministerium bietet „Kostenfinder“ für Web-Browser an
Um die Verbraucherinnen und Verbraucher noch besser vor Kostenfallen im Internet zu schützen, bietet das Bundesverbraucherministerium das Computerprogramm „Kostenfinder“ [...] an. [...] „Dieses Programm soll Nutzer auf versteckte Preisangaben im Internet aufmerksam machen. Es dient dazu, sich wirksamer gegen skrupellose Geschäftemacher im Internet zu schützen“, sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner heute in Berlin.
Der Kostenfinder ist ein kleines Programm zur Ergänzung der Funktionen des Browsers (Browser-Add-On). Es markiert automatisch Begriffe auf einer Website, die auf mögliche Kosten hindeuten, auch wenn diese Begriffe versteckt außerhalb des sichtbaren Bereichs im Browser liegen (Ausnahme: Begriffe zu Kosten, die als Bilddateien auf der Internetseite eingebunden sind). [...]
Quelle: Pressemeldung des BMELV vom 18.03.2011
Soweit, so gut. Ich habe es installiert, musste zunächst längliche Nutzerbedingungen
durchlesen und abhaken, dann war es da - das kleine Lupensymbol neben der Adresszeile.
Wird ein rotes Ausrufungszeichen eingeblendet, heißt dies, dass also auf dieser Webseite Begriffe vorkommen, die auf mögliche Kosten hindeuten. Das kann auch beispielsweise das Wort "
Europa" sein - denn hierin ist das Wort "Euro" versteckt. Das kann auch das Wort "
kostenlos" sein, denn hierin kommt das Wort "Kosten" vor.
Man muss dann, wenn man also beim Surfen bemerkt, dass das rote Ausrufungszeichen eingeblendet wird, auf dieses Zeichen klicken. Das ist schon
das erste Problem, da die meisten Seiten irgendwo verräterische Begriffe enthalten. Es öffnet sich dann ein Hinweisfenster, in dem angezeigt wird, wie häufig die gefundenen Begriffe auf der Seite auftauchen.
Hier gibt es
das zweite Problem: Manchmal findet das Programm auch Worte, die gar nicht auftauchen. Auf der Google-Startseite, zum Beispiel, soll sich das Wort "Eur" verstecken. Aber wo nur? Ich habe mal einen Screenshot zum Suchen gemacht - ich jedenfalls bin nicht fündig geworden, und auch in der Webseite selbst wird das gefundene Wort nicht rot umrandet dargestellt:
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Komisch: links wird angezeigt, dass "Eur" 1x gefunden worden sei.
Aber in der geöffneten Seite wird dieses Suchwort nicht angezeigt.
Und: es ist auch nicht auf der Seite vorhanden... |
Hmmm, komisch, das.
Ein drittes und viertels Problem wurde offensichtlich, als ich eine Seite öffnete, auf der Scripte laufen - beispielsweise die Seite, auf der ich gerade dieses Posting schreibe. Die sah zunächst so aus:
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blogger.com-Posting
vor dem Einschalten des "Kostenfinders" |
Denn da blockiert das Programm auf einmal diese Scripte, so dass man nicht weiter arbeiten kann. Außerdem verändert der Kostenfinder auch noch den in das Eingabefenster getippten Text. Er wird zunächst gar nicht mehr angezeigt - auch wenn er, so ein Blick auf die Suchergebnisse - wohl noch da ist:
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blogger.com-Posting
nach Einschalten des "Kostenfinders":
Der Text ist weg, aber irgendwie auch noch da... |
Ich habe dann in den zwischengespeicherten Postings geschaut - und da auch den Text wiedergefunden. Diese ließ sich auch aufrufen - und der Text war auf einmal verändert: Der Titel des Beitrags war einfach weg, und im Text fanden sich html-Steuerzeichen:
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blogger.com-Posting
nach dem Wiederfinden des Textes:
Auf einmal finden sich neue Steuerzeichen,
die man leider auch nicht mehr entfernen kann |
Das mag ein Sonderproblem sein, da ich mir den Text gerade als Quelltext ("HTML bearbeiten") habe anzeigen lassen. Aber mir blieb in dieser Situation nichts weiter übrig, als das Fenster zu schließen - ich konnte nämlich auch nicht mehr auf die "wysiwyg"-Ansicht umschalten. Denn die Scripte, wie gesagt, liefen ja nicht mehr und wurden blockiert.
Fazit dieses nicht einmal fünf Minuten dauernden Schnelltests: Zu viele Probleme, zu viel Ungenauigkeit, zu wenig Nutzen. Denn, wie die Pressemeldung schon selbst sagt: Findet sich der Preis in einem Bild wieder, kann der "Kostenfinder" nix finden. Und wird etwas gefunden, muss man erst einmal darauf achten, dass das Lupensymbol sich geändert hat. Und dann werden auch noch Begriffe gefunden, die gar nicht da sind.
Es tut mir Leid, das zu sagen, aber schon der Ansatz dieser Idee ist mangelhaft: Insbesondere dass keine Bilder ausgewertet werden, würde letztendlich dazu führen, dass die Abofallen-Betreiber eben Bilder verwenden, um
auf ihre Preise hinzuweisen ihre Preise zu verstecken.
- Es wird nicht besser: Die Buttonlösung
Einen besseren Ansatz hat da der Verbraucherzentrale Bundesverband und die Computerbild gewählt: Hier werden gefährliche Seiten in einer Datenbank gesammelt - will man eine derartige Seite dann aufrufen, wird eine Warnung vorgeschaltet, die nicht zu übersehen ist. Ich hatte darüber schon vor längerer Zeit berichtet: "
Abzock-Schutz".
Einen besseren Ansatz würde ich mir auch anstelle der geplanten Button-Lösung wünschen. Denn auch dazu schreibt das Verbraucherministerium etwas in ihrer Pressemeldung. Was ich davon halte, habe ich schon in meinen Beiträgen "
Abofallen-Selbstverpflichtung, Justitia, Damokles und Gummiparagraph" und "
Hilft die Button-Lösung gegen Abofallen? Nein, sagt jetzt auch der DeutscheAnwaltVerein" geschrieben.
Leider lobt das Ministerium diesen Plan immer noch in höchsten Tönen. Seufz...
"Das Computerprogramm ist Teil einer Initiative des Bundesverbraucherministeriums gegen Kostenfallen im Internet. „Immer wieder fallen Verbraucherinnen und Verbraucher auf vermeintlich kostenlose Onlineangebote herein. Neben der Verbraucherinformation setze ich auf gesetzliche Regelungen. Die Bundesregierung arbeitet mit Hochdruck an einem Gesetzentwurf zur so genannten Button-Lösung“, so die Bundesverbraucherministerin. Mit der „Button-Lösung“ werden dem Verbraucher vor Abschluss eines Vertrags im Internet durch einen Hinweis die Kosten deutlich vor Augen geführt. Es muss dokumentiert werden, dass der Verbraucher diesen Hinweis zur Kenntnis genommen hat. Der auf Betreiben des Bundesverbraucherministeriums entstandene Gesetzentwurf des Bundesjustizministeriums zur Bekämpfung von Abo-Fallen wird voraussichtlich noch in diesem Frühjahr in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht. Im Rahmen der Verhandlungen über die geplante EU-Richtlinie über Rechte der Verbraucher stehen auch die Aussichten für die Einführung der „Button-Lösung“ auf europäischer Ebene gut."
Quelle: Pressemeldung des BMELV vom 18.03.2011
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